Belastungen bei jungen Pflegefachpersonen: Herausforderungen im Pflegeberuf

Health
Fabienne Renggli
vor 4 Monaten

Der Pflegeberuf ist für viele junge Menschen eine attraktive und erfüllende Berufswahl. Die Aussicht, anderen Menschen zu helfen, Fürsorge und Mitgefühl zu zeigen und einen unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Patient:innen zu haben, sind starke Anreize für die Berufswahl. Dennoch ist der Pflegeberuf mit einer Vielzahl an Herausforderungen und Belastungen verbunden. Junge Pflegefachpersonen sind in ihren ersten Arbeitsjahren besonders davon betroffen.

Was sind die bekannten Belastungsfaktoren bei jungen Pflegefachpersonen?

 

Hohes Arbeitsvolumen

Eine der grössten Herausforderungen in der Pflege ist zweifellos das hohe Arbeitsvolumen. Der Pflegeberuf erfordert einen enormen Einsatz. Lange Schichten, häufige Überstunden und die Erwartung, sich um viele Patient:innen gleichzeitig zu kümmern. Die Notwendigkeit, Aufgaben in einem begrenzten Zeitrahmen zu erledigen, kann Zeitdruck auslösen. Zudem stehen Pflegefachpersonen oft vor der Herausforderung, Prioritäten zu setzen und gleichzeitig sicherzustellen, dass keine Patient:innen vernachlässigt werden. Aber auch die Arbeitsmenge kann in der Pflege überwältigend sein. Junge Pflegende müssen oft mehrere Aufgaben schnell und gleichzeitig erledigen, um den Bedürfnissen der Patient:innen gerecht zu werden.

 

Emotionale Belastung

Tätigkeiten in der Pflege können emotional belastend erlebt werden. Pflegefachpersonen sehen sich täglich mit Krankheit, Leiden und Tod konfrontiert. Der Umgang mit Patient:innen in schwierigen und oft lebensbedrohlichen Situationen erfordert ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen und emotionaler Stabilität. Junge Pflegefachpersonen müssen in solchen Situationen Mitgefühl zeigen und gleichzeitig professionell bleiben. Dieser emotionale Spagat kann zu einer akuten und langfristigen emotionalen Belastung führen. Zudem sehen sich Pflegende oft ethischen Dilemmata gegenüber, wenn sie schwierige Entscheidungen über die Patientenversorgung treffen müssen. Diese Dilemmata können an den Grundwerten und der moralischen Integrität rütteln und ebenfalls emotional belastend sein.

 

Schichtarbeit

Schichtarbeit und damit einhergehend unregelmässige Arbeitszeiten sind in der Pflege üblich. So müssen sich junge Pflegefachpersonen an häufig wechselnde Schichten anpassen, was es schwierig macht, einer fixen Tagesstruktur nachzugehen. Zudem kann sich die Dienstplanung oft kurzfristig ändern, denn die Bereitstellung von genügend Personal unterliegt einem hohen organisatorischen Druck. Diese Unsicherheit in Bezug auf den Dienstplan kann zu Schlafstörungen, Stress und Schwierigkeiten bei der Planung von Aktivitäten ausserhalb der Arbeit führen. Entsprechend kann es zu Konflikten in der Vereinbarkeit vom Arbeits- und Privatleben kommen. Die unregelmässigen Arbeitszeiten und die mangelnde Vorhersagbarkeit des Dienstplans können auch einen Einfluss auf die berufliche Entwicklung von jungen Pflegefachpersonen haben. Denn die Planung von beruflichen Fort- und Weiterbildungen kann entsprechend erschwert sein. Nicht zuletzt zeigt auch der Schlafmangel, bedingt durch die Schichtarbeit und einen unregelmässigen Schlaf- und Wachrhythmus, negative Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit von jungen Pflegefachpersonen. 

 

Folgen von Stress am Arbeitsplatz

Die genannten Beispiele können sich auf die verschiedenen Lebensbereiche auswirken. Dazu gehören die körperliche und psychische Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit (Leka et al., 2010). Nicht selten entscheiden sich deshalb junge Pflegefachpersonen bereits in den ersten fünf Jahren nach ihrer Ausbildung, den Beruf zu verlassen (Kompier et. al., 1990, Labrague et al., 2020).

 

Fazit: Der Pflegeberuf ist mit einer Vielzahl an Herausforderungen und Belastungen verbunden. Damit junge Pflegefachpersonen langfristig im Beruf bleiben, ist es unerlässlich, deren Berufsverbleib langfristig zu fördern. Präventive Massnahmen und gezielte Unterstützung sollten darauf abzielen, diese spezifischen Belastungen zu minimieren und die physische und psychische Gesundheit junger Pflegefachpersonen zu fördern. Mit Menon Expedition Nursing versucht die Menon Skills AG gemeinsam mit der Berner Fachhochschule nötige Voraussetzungen zur Förderung der Resilienz und eine bessere Vorbereitung auf den Arbeitsalltag während des Studiums zu erreichen.

  • [1] Kompier, M. A. J., & Marcelissen, F. H. G. (1990). Handboek werkstress [Handbook of work stress]. Amsterdam, The Netherlands: NIA, 6, 681–703.
  • [2] Labrague, L. J., De Los Santos, J. A. A., Falguera, C. C., Nwafor, C. E., Galabay, J. R., Rosales, R. A., & Firmo, C. N. (2020). Predictors of nurses’ turnover intention at one and five years’ time. International Nursing Review, 67(2), 191–198. https://doi.org/10.1111/inr.12581
  • [3] Leka, S., Jain, A., & World Health Organization. (2010). Health impact of psychosocial hazards at work: An overview.